ADAMBRÄU

FOLGE 1: ADAMBRÄU

Das Etikett, das jede/r kennt – gültig bis in die späten 1980er Jahre
(Sammlung Michael Svehla).

Das Adambräu wurde 1825 von Franz Josef Adam gegründet, als er den Ansitz Windegg erwarb. Nach dessen Tod 1830 übernahm seine Witwe die Unternehmensgeschicke für die nächsten fünf Jahre, ehe es zu einer längeren Periode von mehreren sich abwechselnden Besitzern kam. Im August 1917 kündigten die damaligen Besitzer Mutschlechners Erben (seit 1894) die Geschäftsübergabe an die Innsbrucker Gastgewerbe-Brauerei in den Innsbrucker Nachrichten (Ausgabe vom 01.09.) an:

Diese Gesellschaft wurde kurz zuvor, am 19.06.1917 gegründet, wie nachstehender Zeitungsartikel aus den Innsbrucker Nachrichten vom 20.06. zeigt:

Bereits am 24.05. desselben Jahres konnte man in den Innsbrucker Nachrichten von den Absichten mehrerer Gastwirte lesen:

Kurze Zeit später, am 20.02.1918 schlug eine Bombe beim allerersten Bombenangriff auf Innsbruck (durch die italienische Luftwaffe) direkt im Betriebsgelände ein, wie die Innsbrucker Nachrichten in der Ausgabe vom 23.02. berichteten:

Die Gebäudeteile des Adambräu, welche auch heute (2021) noch bestehen, wurden zwischen 1926 und 1931 vom berühmten Architekten Lois Welzenbacher erbaut. Er machte aus der (Platz)Not eine Tugend und ließ das neue Sudhaus als „zweites Hochhaus“ (nach jenem des EWI in der Salurner Straße) errichten. Die Produktionsprozesse wurden damit in die Höhe gestellt, anders als im Bürgerbräu. Mit den übergroßen Fensterscheiben hatte er sich eine besondere Raffinesse einfallen lassen: Die in ihren Zugabteils sitzenden und in den Hauptbahnhof einfahrenden Fahrgäste sollten so schon auf den Geschmack gebracht werden.

Das Adambräu auf einer Aufnahme aus den 1920er Jahren (Ausschnitt aus einer zeitgenössischen Zeitschrift [vermutlich „Bergland“], ohne weitere Angaben). Das einzig erkennbare Gebäude stellt das von mir weiter unten als „ehemalige Hauptgebäude“ angeführte dar, welches in seinen Grundformen mit doppelachsigen Fenstern, Fabriksuhr und Glockenturm all die Jahre unverändert geblieben ist.

Während der Bombenangriffe im Zweiten Weltkrieg wurde das Gelände aufgrund seiner unmittelbaren Nähe zum Hauptbahnhof mehrfach getroffen. Schwere Treffer erhielten das Sudhaus am 26.10.1944 sowie Restaurations- und Garagengebäude am 15.12.1944 .

1990 kam es zu einer kompletten Änderung des grafischen Designs(*): Das St. Bartlmä-Kirchlein wurde durch das Goldene Dachl ersetzt, den Namenszug stutzte man zurück auf den ursprünglichen Firmengründer „Adam“. Alles in allem eine wohl missglückte Neuerung, wie mir vielfach von ehemaligen Mitarbeitern erzählt wurde: Man assoziierte mit dem neuen Schriftzug eher eine Schuhmarke als ein Bierprodukt…


(*) Interessanterweise ähnelt dieses Schicksal auch jenem der Ersten Tiroler Arbeiterbäckerei (ETAB), die ebenfalls zu Beginn der 1990er Jahre eine zwar nicht ganz so dramatische Umänderung ihres Namens und Logos erlebte, aber wo ebenso mit verschiedenartigsten Umwälzungen versucht worden ist, eine Neubelebung herbeizuführen. Übrigens mit demselben Resultat: Ein paar Jahre später wurde die Produktion eingestellt. Aber mehr dazu demnächst!


Das neue Logo ab 1990 (Sammlung Michael Svehla).

Diese Änderung währte nicht lange, denn schon kurze Zeit darauf (ich glaube so um die Jahre 1994/95) wurde das Logo noch einmal geändert. Dieses Mal hieß das Bier zwar wieder „Adambräu“, mit dem Konterfei des Andreas Hofer wollte man aber wohl das Provinzielle ablegen und sich tirolweit präsentieren:

Bier und Bräu – diese Verbindung wird wohl notwendig sein, um potenzielle Käufer anzusprechen (Sammlung Michael Svehla).

1994 wurde die Gesellschaft schließlich von der Brau Beteiligungs AG übernommen und die Produktion an diesem Standort eingestellt – der Anfang vom Ende des gesamten Geländes. Die Tiroler Tageszeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 10.02.1994 darüber mit folgender Überschrift: „Adambräu in Innsbruck wird aufgelassen – Marke bleibt.“ Im Artikel ist nachzulesen, dass die beiden Innsbrucker Brauereien des Konzerns, Adambräu und Bürgerbräu, zusammengelegt und ab Jahresende beide Marken im Bürgerbräu produziert werden. Als Hauptargument wurde die Nutzung von Synergieeffekten angeführt, von den 25 Mitarbeiter/innen des Adambräu müssten 10 bis 15 gekündigt werden. Schon bald wurden Pläne veröffentlicht, die einen Neubau in Form eines Mischkomplexes von Geschäfts- und Wohneinheiten vorsahen.

So präsentierten sich die Betriebsgebäude in den Jahren 1994/95:

Das „große“ Einfahrtstor – man merkt hier bereits schon die örtliche Beengtheit, die keinen allzu großzügig ausgelegten Fabriksbau zugelassen hat.
Gleich links um die Ecke war der Rampenverkauf der Bierkisten. Am silbernen Schild kann man den in den 1990er Jahren angebrachten Hinweis „GETRÄNKE SHOP“ erkennen.
Deutlich, damit es auch jede/r wissen konnte, war der Hinweis auf auschließliche Barzahlung im Innenraum angebracht. Bankomat-Zahlungen waren zu dieser Zeit noch nicht wirklich in Mode…
Das ehemalige Hauptgebäude mit dem Adambräu-Logo, dem St. Bartlmä-Kirchlein. Die Verwaltung ist irgendwann sehr viel später in den Ansitz Windegg übersiedelt (rechts am Bildrand zu erkennen).
Der Innenhof mit dem Eingang zu den Büros (rechts im Bild) und dem Kühlschiff (links mit grünem Zwiebeldach).
Die berühmte Adambräu-Mauer mit der unvergesslichen Aufschrift. Auf allen Aufnahmen lässt sich gut erkennen, wie die Gebäude zusammengestückelt nacheinander gewachsen sind.
Das Eckgebäude wurde im April 1886 als Restauration erbaut und beherbergte im Erdgeschoß eine Gastwirtschaft und im 1. Stock den großen Tanzsaal, den ältere Innsbrucker/innen noch gut in Erinnerung haben.

In den Innsbrucker Nachrichten vom 24.04.1886 findet sich die Anzeige zur Eröffnung des (damals noch so bezeichneten) Glas-Salons:

Und nur ein paar Tage später, am 01.05.1886 wird in den Innsbrucker Nachrichten zum großen Garten-Eröffnungs-Konzert geladen:

Der Schriftzug, der nicht nur mir in sehr guter Erinnerung geblieben ist. Mich wundert es ganz, dass dieser nie durch Graffiti verunstaltet worden ist.
Man merkt an dieser Aufnahme, dass die besten Zeiten der Gastwirtschaft schon lange vorbei waren.
Ein nostalgischer und etwas wehmütiger Blick: Gebäude weg (auch der Autobusbahnhof im Hintergrund), die lässigen 1980er Jahre Autos weg, der freie Blick in Richtung Tuxer Alpen weg…

Diese Abfüllhalle wurde Anfang der 1970er Jahre erbaut, zuvor war an dieser Stelle ein gern besuchter Gastgarten angesiedelt!

Eine wunderschöne Luftaufnahme des Gebietes rund um das Adambräu in der Bildmitte. Zu sehen sind das Gastwirtschaftsgebäude mit der ADAMBRÄU-Mauer (vorne an der Straßenkreuzung), das ehemalige Hauptgebäude mit Uhr und Glockenturm im Innenhof, der Ansitz Windegg an der Adamgasse, Kühlschiff und Sudhaus und links daneben das Steiner-Haus. Was fehlt? Natürlich die neue große Abfüllhalle, an dessen Stelle hier noch der ehemalige Gastgarten existiert. Kaum zu glauben, wenn man heute an diese stark befahrene Kreuzung denkt! An der äußersten NO-Ecke kann man eine Litfaßsäule mit dem alten Logo erkennen.
Das gesamte Fabriksgelände von Osten aus gesehen.

An dieser Stelle möchte ich mich bei dem kürzlich verstorbenen Walter Kreutz, aus dessen unendlich riesigen Schätzen an Fotografien er mir diese beiden vor über 15 Jahren ohne großes Trara liebenswürdigerweise für eine Scankopie zur Verfügung stellte, sehr sehr herzlich bedanken! Er war quasi mein spiritus rector für den Beginn meiner Sammel- und Fotografierleidenschaft Anfang der 1990er Jahre, noch lange bevor wir uns zum ersten Mal trafen. Unsere zahlreichen späteren Treffen waren jedes Mal gekennzeichnet von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung vor den jeweiligen neuesten Sammlerrungenschaften und Walter Kreutz freute sich stets besonders darauf, wenn ich wieder mit einer neuen Aufnahme bei ihm vorstellig wurde, die ich nicht lokalisieren konnte. Gemeinsam saßen wir dann in gebückter Haltung über dieser Aufnahme, bewaffnet mit einem Vergrößerungsglas und verschiedenen Adress- und Telefonbüchern, um so das Rätsel zu lösen. Und Sie dürfen erraten, wer es dann von uns beiden als Erster schaffte bzw. den entsprechenden Hinweis zur Aufklärung gab(Anmerkung: Diese Aufnahmen sowie die gesamte Sammlung von Walter Kreutz befindet sich nun im Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck).

Der besondere Charme einer mittelgroßen Provinzstadt zeigt sich für mich sehr deutlich hier an der tristen und von Witterungs- und Feinstaubeinflüssen malträtierten Fassade der Abfüllhalle.
Noch eine Mauer, die (etwas später) fallen musste: jene des Karmeliterinnenklosters.
Immer wieder faszinierend auch der Blick in die Südbahnstraße – die gab wohl nie mehr her als bloß eine „Verkehrs“straße. Mal schauen, ob das nun anders wird, wenn weiter südlich ab 2023 ein Studentencampus gebaut werden soll.
Beide vorderen Gebäude sind schon längst verschwunden: links das nach dem Krieg wiederaufgebaute Steiner-Haus und die wuchtige Abfüllhalle.
Südbahnstraße in Richtung Karmelitergasse: Inzwischen ist auch das ÖBB-Haus (links im Bild) verschwunden, der PEMA3-Turm hat dort bereits sein oberstes Geschoß erreicht. Schon bald werden die Gebäude nach dem Sudhaus ebenfalls Geschichte sein (Mentlgasse 15 und die Häuserzeile mit den beiden Maxims).

Zuguterletzt ein letzter Blick auf die Überreste einer einst stolzen Brauerei – alle Aufnahmen vom August bzw. Oktober 1997:

Die massiven Mauern der Abfüllhalle waren nicht leicht zu knacken…
Die Gastwirtschaft ist schon verschwunden, zu sehen sind noch die drei weißen Säulen hinter der Bretterwand.
Als sich die Bagger weiter nach unten gruben, kamen die Gärkeller und Teile des alten Sillkanals zum Vorschein.

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