ERSTE TIROLER ARBEITERBÄCKEREI (ETAB)

FOLGE 2: ERSTE TIROLER ARBEITERBÄCKEREI (ETAB)

Das unverwechselbare Logo – hier auf dem Vordach des Lieferanteneinganges.

Ebenfalls auf dem Vordach befand sich die Leuchtreklame „Brotfabrik“. Damit wollte man nicht nur auf die vorherrschende Produktionsstruktur aufmerksam machen, es schwang damit wohl auch ein gewisser Stolz mit, „mehr“ als nur eine Bäckerei zu sein.

Die ETAB – wer aus der Generation der Ü30 kennt nicht diesen Namen bzw. war nicht zumindest einmal in einer der unzähligen Filialen zum Brotkauf?

Die Bäckerei wurde im November 1899 von einer Handvoll Idealisten als Arbeiterbäckerei-Genossenschaft gegründet mit dem Ziel, günstiges, schmackhafteres und reinlich erzeugtes Brot für die Bevölkerung unter gleichzeitig revolutionären, neuen Arbeitsbedingungen (bessere sanitäre Bedingungen und höhere Löhne) herzustellen. Der erste Standort befand sich in der damaligen Grenzstraße 5 in Wilten (heute: Maximilianstraße) in einer stillgelegten ehemaligen Bäckerei. Bereits 1903 musste man sich um einen anderen Standort umschauen, da aufgrund des Besitzerwechsels dieses Hauses der Pachtvertrag gekündigt worden ist.

Vom Bürgerlichen Brauhaus (später: Bürgerbräu) wurde wiederum eine ehemalige Bäckerei, dieses Mal in der Dreiheiligenstraße 8 (Ecke Ing.-Etzel-Straße) gepachtet. Zu dieser Zeit wurde bereits die Idee geboren, in der Pradler Straße 68 ein Grundstück zu kaufen, um dort eine Bäckerei auf dem neuesten Stand der Entwicklung zu erbauen. Diese wurde schließlich am 5. August 1906 offiziell eröffnet.

Der 3. Standort war zugleich der erste eigene Neubau: Pradler Straße 68 (Ausschnitt aus einem zeitgenössischen Beitrag über die ETAB, Quelle unbekannt; Sammlung Michael Svehla)

Doch schon nach kurzer Zeit wurde der dortige Betrieb viel zu klein und man musste an eine angemessene größere Lösung denken. Fündig wurde man in Mühlau an der damaligen Andreas-Hofer-Straße (heute: Haller Straße). Der Standort war ideal, denn er lag direkt an der Eisenbahnstrecke und am Stadtrand (weniger Lärm- und Geruchsbelästigung). Am 10. April 1911 wurde dann dieser Standort eröffnet, in welchem die ETAB bis 1997 bleiben sollte.

Der 4. und (eigentlich) letzte Standort: Ein größerer Neubau mit eigener Expedithalle in Mühlau an der Andreas Hofer-Straße (später: Haller Straße 93).

Auf obigem Nachdruck eines Plakates ist der ursprüngliche Neubau an der Haller Straße abgebildet: Hinter den fünf großen Fenstern befanden sich die Produktionsräume, die Brotöfen waren in Richtung Innenhof ausgerichtet. Eine einfache überdachte Einfahrtshalle mit Verladerampe für die Pferdefuhrwerke war östlich davon angebaut.

1916 wurde eine bauliche Vergrößerung vorgenommen. Wenn man das Plakat mit dieser S/W-Aufnahme vergleicht, erkennt man deutlich die nach dem östlich letzten großen Fenster erfolgten Zubauten: Verwaltungsbüros für das Expedit (im Erdgeschoß unter dem großen gläsernen Vordach) und für die Buchhaltung (im darübergelegenen 1. Stock) sowie der Trakt der Direktion (mit Holzturm). Die Verladehalle wurde weiter nach Osten versetzt.

Die ETAB um 1940. Zu dieser Zeit erfolgten ein paar wenige äußerliche Korrekturen.

Ein letzter großer Um-, Zu- und Aufbau des Bürotraktes sowie die Neugestaltung der strassenseitigen Fassade erfolgte 1957. In diesem Jahr erhielt das Gebäude jenes Aussehen, welches bis zu dessen Abriss 2005 die dortige Häuserzeile prägte.

So präsentierte sich die ETAB nach dem großen Um- und Zubau 1957: Der Bürotrakt wurde begradigt und erhielt einen 2. Stock.

Im direkten Vergleich kann man die baulichen Veränderungen nochmals deutlich erkennen.

Der allerletzte Standort der ETAB befand sich ein kurzes Stück rechts dahinter in der Kurve der Hans-Maier-Straße: Dabei handelte es sich um ein Lager der Ankerbrot-Bäckerei, in dem nur mehr vereinzelte Produktionsschritte erfolgten (z. B. Aufbacken bestimmter Teiglinge).

Wer gerne mehr dazu lesen möchte, dem kann ich das von mir und Karl Eller im April 2021 veröffentliche Buch „Mehr als Brot! – Die Geschichte der Ersten Tiroler Arbeiterbäckerei“ empfehlen mit sehr vielen S/W-Fotos aus den Anfangsjahren in der Haller Straße.

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