EISENGIESSEREI.MASCHINENFABRIK JOSEF OBERHAMMER

FOLGE 3: FIRMA JOSEF OBERHAMMER

Der ehemalige Eingang in den Verwaltungs- und Geschäftsführungsbereich mit dem charakteristischen Firmenzug. Obwohl es das Unternehmen schon seit etlichen Jahren nicht mehr gibt und in der Zwischenzeit andere Kleinunternehmen hier eingezogen sind, wurde die Firmenbeschriftung nicht abgenommen. Eine nette Geste, wie ich finde. Übrigens: Das Unternehmen befindet sich schon seit dessen Gründung immer an derselben Adresse – St. Bartlmä 3.

Es ist gar nicht so einfach gewesen, genügend allgemeine Informationen über das Unternehmen zu erhalten. Ich habe in meiner Sammlung über Innsbruck´s Bibliographie keine einschlägigen Aufsätze über die Firma Josef Oberhammer gefunden, daher muss ich mich bei der nachfolgenden Vorstellung auf zeitgenössische Zeitungsberichte stützen. Und eine Woche später habe ich dann doch noch eine Kurzfassung zur Unternehmenschronik (im Heftlein 340 Jahre Wiltener Schützen 1625 bis 1965) gefunden und ergänze deshalb den untenstehenden Text. Außerdem hat mich Klaus Fischler, ein ehemaliger Mitarbeiter der Firma, auf einen Fehler in meiner Recherche hingewiesen (es existierten nämlich zwei getrennte Betriebe nebeneinander, die Schlosserei Anton Gaim und besagte Maschinenfabrik), den ich ebenfalls ausgebessert habe. Zu guter Letzt habe ich vom letzten Firmeninhaber aus der Familie Oberhammer, nämlich Walther Oberhammer, noch einige wesentliche Fakten vor allem aus der Nachkriegszeit erhalten.

Das Unternehmen geht auf eine alte Schmiede des Stiftes Wilten aus dem 13. Jahrhundert zurück: Diese wurde gemeinsam mit der ebenfalls im Besitz des Klosters stehenden Mühle (die Mühle wurde beim Bombenangriff auf die Stadt Innsbruck am 13. Juni 1944 zerstört) vom damaligen Sillkanal, einer künstlich angelegten Ableitung des Sillflusses, betrieben. Die Schmiede blieb im Eigentum des Klosters bis 1807, wurde dann durch das königlich-bayerische General-Landeskommissariat verwaltet und an einen gewissen Bartlmä Kandler verpachtet. 1816 wurde diese Schmiede, inzwischen im Besitz der k.k. Administration, wieder an das Stift zurückgegeben. Das Stift selbst verkaufte im Mai 1817 die Schmiede an Bartlmä Kandler, der aber bald darauf verstarb. Sein minderjähriger Sohn Johann musste die Schmiede im Februar 1829 an Johann Georg Lang verpachten, der diese am 01. Februar 1838 schließlich käuflich erwarb. Als dessen Sohn Thomas Lang im Dezember 1868 die Geschäftsführung übernahm (nachdem die Schmiede im Dezember 1862 durch Erbschaft in seinen Besitz gelang), erfolgte zuerst der Zubau einer mechanischen Werkstätte (oder Werkshalle) und in weiterer Folge die Errichtung einer Gießerei, wie in den Innsbrucker Nachrichten vom 25. Oktober 1879 zu lesen ist:

Thomas Lang wurde als sehr unternehmerisch denkende und für das Neue aufgeschlossene Persönlichkeit beschrieben, was sich auch in den nachfolgenden Auszeichnungen widerspiegelt: Die Tiroler Handels- und Gewerbekammer sprach ihm einen Reisekostenbeitrag zu für den Besuch der Weltausstellung in London 1862 (Zitat: „für ausgezeichnete tirolische Industrielle“, in: Innsbrucker Nachrichten vom 12. Juli 1862) bzw. die Verleihung der silbernen Staatspreis-Medaille für Maisentkörnerungsmaschinen (in: Innsbrucker Nachrichten vom 11. Oktober 1875) sowie die Überreichung eines Anerkennungsdiploms durch den Thronfolger Erzherzog Rudolf (1875).

Weitere Erfolgsmeldungen ließen nicht lange auf sich warten:

Innsbrucker Nachrichten vom 30. Mai 1883
Innsbrucker Nachrichten vom 25. August 1890
Innsbrucker Nachrichten vom 1. Mai 1892
Innsbrucker Nachrichten vom 25. August 1892

Thomas Lang musste in dieser für ihn wirtschaftlich so erfolgreichen Epoche zahlreiche private Schicksalsschläge verkraften: Seine erste Ehefrau verstarb im Juli 1878 im 40. Lebensjahr und hinterließ ihm vier minderjährige Kinder, eines davon, Töchterchen Maria Magdalena, starb nur vier Wochen darauf. Nachdem er noch einmal geheiratet hatte, starb sein Sohn Peter Paul mit nur 19 Tagen im August 1892.

Einen sehr aufschlussreichen Kommentar erhielt ich von einer direkten Nachfahrin, Frau Arntraud Bacher – sie schreibt: „Thomas Lang war mein Ur-Ur-Großvater und hatte mehr Schicksalsschläge als beschrieben. Seine erste Frau starb mit 40 Jahren und alle fünf Kinder aus dieser Ehe wurde nicht älter als 1 Jahr. Die im Artikel erwähnte Ehefrau war seine zweite Frau. Aus dieser zweiten Ehe stammten sechs Kinder, von denen drei das erste Lebensjahr überlebten. Das erste Kind aus dieser Ehe heiratete 1893 den späteren Geschäftsführer Oberhammer (Details dazu müsste man in den Matriken nachschauen). Das zweite Kind der zweiten Ehe (Thomas Lang) ist mein Ur-Großvater. Aus der dritten Ehe überlebten alle Kinder bis auf das letzte, der im Artikel erwähnten Peter Paul.“

Vier Monate zuvor verstarb sein Vater Johann Georg Lang hochbetagt im 94. Lebensjahr:

Das Unglück selbst holte ihn fünf Jahre später ein, als er an am Rosenmontag des Jahres 1897 nachts auf dem Heimweg in die Sill gestürzt war (auf Höhe der Hartlmühle, die an der Kreuzung der ehemaligen Eisenbahnstrecke mit der Karmelitergasse gelegen ist).

Folgende Porträtaufnahmen der erwähnten Personen habe ich dankenswerterweise ebenfalls von Frau Bacher erhalten. Es handelt sich dabei um Thomas Bartholomäus Lang (rechts oben – der besagte Firmengründer), dessen zweite Ehefrau Karolina Lang, geb. Birchl sowie um Johann Georg Lang (links unten), den Vater von Thomas.

Bereits im Juni desselben Jahres wechselte der Eigentümer und tritt erstmals der Name Oberhammer auf:

Innsbrucker Nachrichten vom 9. Juni 1897

Im August 1898 schließlich erwarb Josef Oberhammer, der Schwiegersohn von Thomas Lang, per Kauf aus dem Nachlass des Verstorbenen endgültig das Unternehmen und vergrößerte umgehend die zwanzig Jahre zuvor errichtete Gießerei. In der Ausgabe der Innsbrucker Nachrichten vom 14. September 1898 findet man eine Werbeanzeige des neuen Eigentümers Josef Oberhammer:

Blicken wir für diesen Absatz rasch dreißig Jahre voraus: Josef Oberhammer war das Unternehmensglück jedoch nicht allzu lange beschieden, denn am 23. April 1928 wurde das Ausgleichsverfahren über die Firma eröffnet, im August desselben Jahres konnte man in den Innsbrucker Nachrichten über die bereits erfolgte Beendigung dieses Ausgleiches lesen. Welche Umstände dazu führten, konnte ich nicht erheben, doch vermutlich haben der 1. Weltkrieg und die Rohstoffknappheiten der Nachkriegszeit auch ihren Anteil dazu beigetragen.

Beendigung des Ausgleichverfahrens.

Auch dazu kann Frau Arntraud Bacher ergänzende Details beitragen: „Laut meinen Aufzeichnungen ist Josef Oberhammer, der 1897 die Eisengießerei übernommen hat, 1922 gestorben. Also könnte das im Artikel genannte Ausgleichsverfahren seinen ersten Sohn Josef betroffen haben, der 1897 geboren wurde. Der zweite Sohn von Josef sen. hat laut meinen Aufzeichnungen den Namen Anton und dürfte somit zum Seniorchef aus den Erzählungen des Klaus Fischler passen, auch dass er viele Kinder hatte, finde ich in meinen Unterlagen.“

Doch wieder zurück zur Chronologie und damit zur Jahrhundertwende: Zwischenzeitlich wurde die Eisengießerei an einen gewissen Alois Wörle jun. verpachtet (Juli 1919). Nähere Details konnte ich nicht ausfindig machen. Jedenfalls gelangte das Unternehmen im März 1923 wieder in den Besitz der Familie Oberhammer: Josef und Anton, die beiden Söhne des Josef Oberhammer wurden neue Eigentümer (diese Information habe ich von Walther Oberhammer erhalten, die sich mit den Aussagen von Arntraud Bacher ziemlich genau deckt.).

Bald darauf dürfte das Unternehmen wieder in wirtschaftlich erfolgreichere Bahnen gelenkt worden sein, zumindest lassen das die beiden in den Innsbrucker Nachrichten erwähnten Auftragsarbeiten andenken: Im Jänner 1931 wird lobend über die zwei neuen Schilder des Tuchhauses Kapferer (Ecke Herzog-Friedrich-Straße / Riesengasse) berichtet, die „in farbig gefasster Schmiedearbeit auch bei Tag eine sehr ansprechende Wirkung aufweisen.“ (Innsbrucker Nachrichten vom 27. Jänner 1931, Seite 7). Zur offiziellen Eröffnung und Einweihung der Glungezerhütte am 5. April 1936 spendete die Firma Oberhammer eine von Bildhauer Franz Roilo entworfene Gedenktafel, welche an der Außenwand angebracht wurde. Und bereits im August 1929 konnte man in einer Werbeanzeige im Buch „Die tirolische Landeshauptstadt Innsbruck“ lesen: „(…) Das Unternehmen umfasst heute außer der modernisierten Schmiede eine mit allen modernen Arbeitsmaschinen ausgestattete Maschinenfabrik, eine Eisengießerei mit Erzeugungsmöglichkeiten bis 5.000 kg Stückgewicht, eine eigene Modelltischlerei. Es bedient das gesamte heimische Gewerbe und Industrie mit Reparaturarbeiten und erzeugt außer Gusswaren aller Art Wasserturbinen, Sägemaschinen, Spezialmaschinen der hiesigen Industrien, Transmissionen usw. In letzter Zeit war die Firma auch mit größeren Überseeaufträgen beschäftigt.“ – Ich persönliche finde, für eine damals kleine Provinzstadt in den Bergen eine beachtliche unternehmerische Leistung!

Im Mai 1930 erfolgte ein familieninterner Wechsel in der Geschäftsführung: Nunmehr stand Anton Oberhammer als Alleinbesitzer an der Spitze des Unternehmens, der in diesen Jahren die Hallen II und III neu erbaute und die alte Halle I umbauen ließ. Neben seiner Funktion als Geschäftsführer war er auch ehrenamtlich tätig, so wurde er beispielsweise am 15. April 1934 zum Funktionär der Ortsgruppe 3, Wilten der Bezirksgruppe Innsbruck-Stadt des Österreichischen Gewerbebundes ernannt.

Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren vor allem von Betriebserweiterungen und Änderungen in den Führungspositionen geprägt: Im November 1951 kaufte das Unternehmen das Nachbargrundstück samt Wohnhaus von Alois Egg, 1970 wurde die Halle IV, 1976 die Hallen V, VII und VIII errichtet sowie eine komplette Renovierung der Firma und Überdachung des Freigeländes durchgeführt. – Nach vierzig Jahren an der Spitze des Unternehmens nahm der damalige Alleinbesitzer Anton Oberhammer per Gesellschaftsvertrag seine beiden Söhne Walther und Fritz in das Unternehmen auf und kam es daher zur Umbenennung in „Josef Oberhammer OHG“ (1970). Sechs Jahre später kauften die beiden Söhne die Firma von ihrem Vater und 1999 übernahm Walther Oberhammer die alleinige Geschäftsführung mit gleichzeitiger Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Nunmehr hieß die Firma „Maschinenfabrik Oberhammer Ges.m.b.H.“.

Klaus Fischler hat noch einige seiner Erinnerungen eingebracht (siehe unter Kommentare), die ich an dieser Stelle gerne auch einfüge: „Ich habe hier von 1970 bis 1974 Maschinenschlosser gelernt. Anton Oberhammer war der Seniorchef und hatte – Wissensstand Lehrlinge – viele Söhne. DI Fritz Oberhammer leitete aktiv das Unternehmen, Walter Oberhammer war im Büro und Peter Oberhammer war für Magazin und Lehrlinge zuständig. Ein Sohn war kurzzeitig ORF-Generalintendant. Möglicherweise ein Bruder des Seniorchefs war Zahnarzt am Bozner Platz.
Das Unternehmen stellte primär Einzelstücke und Prototypen von Maschinen her. Ständige Kunden waren die Tyrolit-Werke in Schwaz und das sich im Wachsen befindliche Spanplattenwerk Egger in St. Johann sowie der ehemalige Lifthersteller Felix Wopfner. Die Gießerei fertigte Kanalgitter und Gullydeckel für Innsbruck (für aufmerksame Spaziergänger auch heute noch vielfach lesbar) und Einzelteile für die eigene Maschinenfertigung. Ein Großkunde war eine Gießerei in der Schweiz.“

Im März 2001 wurde die Maschinenfabrik Oberhammer an die Firma Strasser Ges.m.b.H. in Wien verkauft. Eine letzte „Flurbereinigung“ gab es zu dieser Zeit: Das angrenzende Grundstück der ehemaligen Schlosserei Gaim wurde gekauft.

Im Dezember 2009 begann das langsame Ende einer über 170jährigen erfolgreichen Familiengeschichte: Zwangsausgleich und Fortführung des Unternehmens nach einem festgelegten Sanierungsplan. Anfang Mai 2020 wurde in den Medien darüber berichtet, dass die Maschinenfabrik insolvent ist. Umsatzeinbrüche in China zu Beginn der Corona-Pandemie sowie der damals erste Lock-Down in Europa nannte man als Gründe. Insgesamt 37 Arbeitsplätze waren davon betroffen. Endgültig wurden die Fabrikstore am 10. Juni 2020 geschlossen.

Abschließend zeigen Aufnahmen vom März 2022 die aktuelle Situation des Geländes, auf welchem bekanntlich ein neuartiges und in Innsbruck noch nie dagewesenes Kulturquartier geschaffen werden soll. Der besseren Orientierung halber habe ich zuerst eine Google-Map Aufnahme des gesamten Areals, ergänzt mit den Lokalisierungen anhand der Kommentare von Klaus Fischler, eingestellt:

Vorne rechts der Mitte befindet sich der Haupteingang, das Verwaltungsgebäude ist zentral in der Bildmitte positioniert, ganz hinten rechtwinklig zu den beiden Hallen steht die Halle der ehemaligen Eissengießerei. Links neben den beiden Klein-LKW´s befindet sich die von mir so bezeichnete Zu- und Abfahrtshalle.

Klaus Fischler, der von 1970 – 1974 als Lehrling bei der Firma Oberhammer gearbeitet hatte, weiß einige interessante Ergänzungen zu meinen Aufnahmen: „Zu meiner Zeit sah das so aus:
Das Gebäude ganz links – auch auf diesem Foto als neu zu erkennen – gab es nicht. Die anschließende Halle wurde als 3er-Halle bezeichnet. Davor war ein Damm, der vom Sillkanal herrührte, welcher in grauer Vorzeit die Transmissionen antrieb. Dieser Kanal lieferte auch die Energie für die davorliegende Stiftssäge, die es zu meiner Zeit noch gab. Den Kanal gab es nicht mehr. Rechts der 3er- Halle waren vorgelagert noch die Grundmauern des Wassereinlaufes des Kanals. Diese waren aber mit einem Dach versehen und dienten einem langjährigen Mitarbeiter des Unternehmens als Unterstand (heute Carport) für seinen Ford Mustang, mit welchem er täglich von Telfs kam. Rechts der Halle war und ist heute der Hof mit einem Laufkran. Nur war dieser damals nicht überdacht. Das große Gebäude rechts des Hofes gab es nicht. Hier waren verschiedene Stahle im Freien gelagert.“
Eingangsbereich des Firmengeländes.
Kommentar von Klaus Fischler: „Rechts der Haupteingang – dort ist auch heute noch die Hausnummer St. Bartlmä 3 angebracht – , links die 3er-Halle. Die Überdachung gab es nicht. Im ersten Stock des Hauptgebäudes waren links die Umkleideräume und die Duschen, rechts die Büroräumlichkeiten. Im Erdgeschoß war und ist links das Stiegenhaus und rechts durch ein Büro mit Stempeluhr der Zugang zur 1er-Halle (vermutlich der Ursprung). Das ebenerdige Gebäude im Anschluss nach hinten wurde als Dreherei bezeichnet und war bestückt mit Drehbänken (namensgebend), Hobelmaschinen, Schleifmaschinen, Werkzeugkammer u. a.“
Vermutlich die ehemalige Zu- und Abfahrt für Rohstoffe und Fertigprodukte. Kommentar von Klaus Fischler: „Diese Konstruktion existierte nicht.“
Kommentar Klaus Fischler: „Hier war zu meiner Zeit die Einfahrt zur Schlosserei Anton Gaim, welche nicht in Verbindung mit der Maschinenfabrik Oberhammer stand. Rechts davon die Nordfront der Dreherei.“
Kommentar Klaus Fischler: „Links ist das Hauptgebäude (Bild 2), rechts die 3er-Halle. Den in Blickrichtung davor rechts zurückgesetzten Bau gab es 1974 noch nicht.“
Kommentar Klaus Fischler: „Am Ende des damals noch nicht überdachten Hofes sieht man den Eingang in die Gießerei.“
Kommentar Klaus Fischler: „Im Hintergrund ist das heutige Schützenheim der Wiltener Schützen. Anscheinend wurde das Gebäude der Schlosserei Anton Gaim nach 1974 übernommen und integriert. Rechts über dem Hallendach sieht man die Spitze des runden St. Bartlmä-Kirchleins (im Logo des Adambräu), von welchem zu meiner Zeit nur mehr die runde Grundmauer ca. 50 cm über den Boden ragte und innerhalb derer in der Mittagspause Fußball gespielt wurde. Das heutige Wiltener Schützenheim war damals ein Schüler- und Lehrlingsheim und Mitarbeiter der Firma Oberhammer konnten dort Mittagessen.“
Blick in die Halle der ehemaligen Eisengießerei, die direkt am Sillufer liegt. Kommentar Klaus Fischler: „Hier sieht man das Innere der Gießerei. Der Kupolofen scheint abgetragen zu sein, ebenso die seinerzeit mit meiner tatkräftigen Mithilfe errichtete Sandaufbereitungsanlage.“

Sollten die Pläne für das neue Kulturquartier tatsächlich umgesetzt werden, ist es fraglich, ob von den bestehenden Gebäuden irgendeines übrigbleiben soll bzw. wird. Was auf jeden Fall weiterleben wird, sind die Kanaldeckel, die die Fa. Oberhammer in Innsbruck regelmäßig hergestellt hat. Zwei schöne Beispiele dafür hat mir Klaus Fischler geschickt:

Vor kurzem habe ich noch folgende Werbeanzeige aus dem Jahr 1980 entdeckt:

.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- Abschließend soll noch kurz die Schlosserei Anton Gaim erwähnt werden, die über zumindest 100 Jahre lang neben der (größeren) Maschinenfabrik Josef Oberhammer existierte und irgendwann Mitte der 1970er Jahre von letzterer übernommen.

Einen ersten Hinweis darauf habe ich in den Innsbrucker Nachrichten vom 11. Jänner 1893 gefunden: Ein gewisser Anton Gaim kündigt hierbei an, die sogenannte Klosterschmiede des Herrn Th.(omas) Lang pachtweise übernommen zu haben:

Schon im darauffolgenden Jahr starb dieser Anton Gaim, wie aus den Innsbrucker Nachrichten vom 5. Februar 1894 zu entnehmen ist:

12 Kommentare zu „EISENGIESSEREI.MASCHINENFABRIK JOSEF OBERHAMMER“

  1. Ich habe hier von 1970 bis 1974 Maschinenschlosser gelernt. Anton Oberhammer war der Seniorchef und hatte – Wissensstand Lehrlinge – viele Söhne. DI Fritz Oberhammer leitete aktiv das Unternehmen, Walter Oberhammer war im Büro und Peter Oberhammer war für Magazin und Lehrlinge zuständig. Ein Sohn war kurzzeitig ORF-Generalintendant. Möglicherweise ein Bruder des Seniorchefs war Zahnarzt am Bozner Platz.
    Das Unternehmen stellte primär Einzelstücke und Prototypen von Maschinen her. Ständige Kunden waren die Tyrolit-Werke in Schwaz und das sich im Wachsen befindliche Spanplattenwerk Egger in St. Johann sowie der ehemalige Lifthersteller Felix Wopfner. Die Gießerei fertigte Kanalgitter und Gullydeckel für Innsbruck (für aufmerksame Spaziergänger auch heute noch vielfach lesbar) und Einzelteile für die eigene Maschinenfertigung. Ein Großkunde war eine Gießerei in der Schweiz.
    Meiner Meinung nach bediente die Firma eine Nische, die es auch heute noch geben müsste.
    Ein entfernter Zusammenhang mit dem Firmengründer Thomas Lang besteht auch mit der Glasfirma Lang in der Roßau.

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    1. Lieber Herr Fischler, vielleicht können Sie die einzelnen Gebäude näher beschreiben, die man auf meinen Aufnahmen sieht. Sind diese alle bereits in den 1970er Jahren gestanden? Ich werde jedenfalls mal Ausschau halten nach einem Oberhammer-Gullydeckel und ein Foto davon machen.

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    2. Vielen Dank für diese sehr interessante Seite!
      Die letzte Zeile Ihres Kommentares möchte ich aber richtig stellen:
      „Ein entfernter Zusammenhang mit dem Firmengründer Thomas Lang besteht auch mit der Glasfirma Lang in der Roßau.“
      Die Glasfirma heißt Langer und daher besteht keinerlei Zusammenhang mit Th. Lang.

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      1. Danke! Wer hätte das gedacht, dass mir als Lehrling etwas erzählt wird und das vermeintliche Wissen dann 50 Jahre später korrigiert wird. Ich bin gar nicht auf die Idee gekommen das zu überprüfen! Wieder etwas gelernt – wenn auch relativ spät.

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  2. Gerne!
    Zu meiner Zeit sah das so aus:
    1. Bild
    Das Gebäude ganz links – auch auf diesem Foto als neu zu erkennen – gab es nicht. Die anschließende Halle wurde als 3er-Halle bezeichnet. Davor war ein Damm, der vom Sillkanal herrührte, welcher in grauer Vorzeit die Transmissionen antrieb. Dieser Kanal lieferte auch die Energie für die davorliegende Stiftssäge, die es zu meiner Zeit noch gab. Den Kanal gab es nicht mehr. Rechts der 3er- Halle waren vorgelagert noch die Grundmauern des Wassereinlaufes des Kanals. Diese waren aber mit einem Dach versehen und dienten einem langjährigen Mitarbeiter des Unternehmens als Unterstand (heute Carport) für seinen Ford Mustang, mit welchem er täglich von Telfs kam.
    Rechts der Halle war und ist heute der Hof mit einem Laufkran. Nur war dieser damals nicht überdacht. Das große Gebäude rechts des Hofes gab es nicht. Hier waren verschiedene Stahle im Freien gelagert.
    2. Bild
    Rechts der Haupteingang – dort ist auch heute noch die Hausnummer St. Bartlmä 3 angebracht – , links die 3er-Halle. Die Überdachung gab es nicht. Im ersten Stock des Hauptgebäudes waren links die Umkleideräume und die Duschen, rechts die Büroräumlichkeiten. Im Erdgeschoß war und ist links das Stiegenhaus und rechts durch ein Büro mit Stempeluhr der Zugang zur 1er-Halle (vermutlich der Ursprung). Das ebenerdige Gebäude im Anschluss nach hinten wurde als Dreherei bezeichnet und war bestückt mit Drehbänken (namensgebend), Hobelmaschinen, Schleifmaschinen, Werkzeugkammer u. a.
    3. Bild
    Diese Konstruktion existierte nicht.
    4. Bild
    Hier war zu meiner Zeit die Einfahrt zur Schlosserei Anton Gaim, welche nicht in Verbindung mit der Maschinenfabrik Oberhammer stand. Rechts davon die Nordfront der Dreherei.
    5. Bild
    Links ist das Hauptgebäude (Bild 2), rechts die 3er-Halle. Den in Blickrichtung davor rechts zurückgesetzten Bau gab es 1974 noch nicht.
    6. Bild
    Am Ende des damals noch nicht überdachten Hofes sieht man den Eingang in die Gießerei.
    7. Bild
    Im Hintergrund ist das heutige Schützenheim der Wiltener Schützen. Anscheinend wurde das Gebäude der Schlosserei Anton Gaim nach 1974 übernommen und integriert. Rechts über dem Hallendach sieht man die Spitze des runden St. Bartlmä-Kirchleins (im Logo des Adambräu), von welchem zu meiner Zeit nur mehr die runde Grundmauer ca. 50 cm über den Boden ragte und innerhalb derer in der Mittagspause Fußball gespielt wurde. Das heutige Wiltener Schützenheim war damals ein Schüler- und Lehrlingsheim und Mitarbeiter der Firma Oberhammer konnten dort Mittagessen.
    10. Bild
    Hier sieht man das Innere der Gießerei. Der Kupolofen scheint abgetragen zu sein, ebenso die seinerzeit mit meiner tatkräftigen Mithilfe errichtete Sandaufbereitungsanlage.

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  3. Lieber Herr Svehla!
    Ihre Ergänzungen sind ganz exakt! In einem Punkt ganz am Anfang haben Sie aber, meiner Meinung nach das viele Jahre später Kommende visionär vorweggenommen. Zumindest 1974 haben die Maschinenfabrik Oberhammer und die Schlossserei Anton Gaim noch parallel existiert. Während die Schlosserei Gaim nebenan lokale Aufträge ausführte bediente Oberhammer primär Industriebetriebe. Die Übernahme der Schlosserei Gaim durch Oberhammer dürfte also gut 100 Jahre nach dem von Ihnen ursprünglich angenommenen Zeitpunkt erfolgt sein. (Siehe auch https://www.innsbruckerinnen.at/)
    Auf die Idee einen noch existierenden Gullydeckel Oberhammer’scher Herkunft zu fotografieren wäre ich alleine nicht gekommen. Aber bei nächster Gelegenheit werde ich auf die Pirsch gehen!
    Liebe Grüße
    Klaus Fischler

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    1. Lieber Herr Fischler! Dann dürfte dieser gewisse Thomas Lang seinerzeit 2 Betriebe gehabt haben: die sog. „Klosterschmiede“, welche dann von Anton Gaim übernommen wurde und die sog. Eisengießerei, in welcher dann die Fa. Oberhammer groß geworden ist? Ich dachte anhand der Zeitungsberichte, dass es sich dabei um ein und denselben Betrieb handelte, wusste auch nicht, dass quasi hinter der Fa. Oberhammer eine weitere Maschinenschlosserei bis in die 1970er Jahre hinein bestand. Schön, dass Sie das richtig gestellt haben! Jedenfalls wieder einmal ein interessantes Stück Lokalgeschichte!

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  4. An diesem Ort wurde auch ein kleines Stück Technik-Geschichte geschrieben:
    In Zusammenarbeit mit Thomas Lang hat Johann Kravogl sein“Elektrisches Kraftrad“ entwickelt, – ein Vorläufer des heute gebräuchlichen Elektromotors – davon wurden aber lediglich 4 Exemplare gebaut. – Eines davon kann man im Zeughaus bewundern, ein anderes im Technischen Museum in Wien.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Elektrisches_Kraftrad_von_Kravogl
    https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Kravogl

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