Der Monat Jänner im Rückblick vergangener Jahr(zehnt)e
Allgemeines:
1876: Straßenumbenennungen in Wilten: Leopold-, Heiliggeist-, Templ- und Bahnstraße (heute: Bruneckerstraße).
1886: Beschlüsse des Wiltener Gemeindeausschusses: Ankauf eines Grundstückes zur Erbauung eines Schul- und Gemeindehauses, Einführung der Gasbeleuchtung und Bau einer Wasserleitung in Wilten.
1894: Umbenennung der Saggener Hauptstraße in Falkstraße.
1980: Eröffnung der neuen Ursulinen-Schule am Fürstenweg und des Zubaues des beim Hotel-Café „Central“ an der Ecke Erlerstraße/Gilmstraße.
1981: Halbzeit beim Bau des neuen IVB-Betriebsbahnhofes (Neubau einer Tiefgarage sowie daraufgesetzt eine neue Straßenbahnremise).
1981: Laufende Übersiedlungsarbeiten der Stadtgärtnerei vom ehemaligen Standort am Sillzwickel in die Trientlgasse (südlich des städtischen Zentralhofes).
2021: Das Hotel „Europa“ sperrt endgültig zu. Das alt-ehrwürdige und traditionsreiche Hotel am Bahnhofplatz schließt vermutlich für immer seine Pforten – nach knapp 150 Jahren des Bestehens! Bereits seit Beginn der Corona-Pandemie im Februar 2020 war das Hotel geschlossen und seitdem nicht mehr aufgesperrt worden. Doch der langsame Abstieg begann bereits ein Jahr vorher, als Innsbruck´s einziges 5-Sterne-Hotel seine Top-Bewertung verlor. Mitte Jänner 2021 wurde dann bekannt, dass der 1888 errichtete Barocksaal zerstört worden ist. Am 9. Februar 2021 erfolgte schließlich eine Versteigerung diverser Gegenstände aus dem Hotel-Inventar.
Ein kurzer Rückblick zur Geschichte des Hotels: Am 7. August 1869 wurde die Eröffnung des Hotels für den darauffolgenden Tag angekündigt:

Den Innsbrucker Nachrichten vom 10. August 1869 war dies damals allerdings nur eine Randnotiz wert:

Am 22. Mai 1881 kam es zu einem Großbrand im Hotel, wie die Innsbrucker Nachrichten zu berichten wussten:

Rund 50 Jahre später wurde das Hotel ein weiteres Mal zerstört: Beim einzigen Nachtangriff auf Innsbruck trafen die Bomben das Gebäude und zertrümmerten fast die gesamte vordere Hausfront. Nach dem Wiederaufbau wurde das Hotel 1951 wiedereröffnet.
Die Besitzer bis zum Ende des 2. Weltkrieges waren:
- Barbara Reinhart und deren Sohn Johann, die den Betrieb bis zum Tod von Johann im August 1896 führten.

- Anton Hanreich ab 1896 bis zu seinem Tod im November 1912.

- Emil Karl Kupper wird im Februar 1914 neuer Hoteldirektor. Gleichzeitig wird das Hotel neu renoviert und erhält eine Modernisierung.


- Theodor Störzel übernimmt für 10 Jahre die Geschäftsführung in den 1920er Jahren. Der Bericht über den Hausball lässt die damalige Stimmung greifbar werden (Innsbrucker Nachrichten vom 1. Februar 1926)

- Jakob Kemmler wird schließlich Ende der 1920er Jahre neuer Besitzer und bleibt es bis zu seinem Tod im März 1942.

- Dirk Weinsheimer, ein Nachfahre von Jakob Kemmler, schreibt mir: „Es ist interessant zu erfahren, dass mein Urgroßvater neben Kellner und Hotelbesitzer auch noch Friseur war. Tatsächlich findet sich in seinem US-amerikanischen Pass ein Hinweis darauf, den ich bisher übersehen hatte. Dort steht als Beruf nämlich Hairdresser. Aus seinem Pass geht noch hervor, dass er einen Zweitwohnsitz in Winterthur in der Schweiz hatte. Das Passfoto ist das einzige Foto was wir von ihm haben. Es gibt oder gab noch eine Bronzebüste von Jacob Kemmler, die von dem berühmten östereichischen Künstler Gustinus Ambrosi gefertigt wurde und seinerzeit im Hotel Europa stand. Leider ist über den Verbleib nichts bekannt. Aus den Unterlagen geht auch hervor, dass das Hotel Tyrol wieder aufgebaut werden sollte, was ja nicht mehr geschah. Zu Rosa Holzknecht-Kemmler hatte mein Großvater wohl ein gutes Verhältnis, zu Antonia Marberger hatte beide wohl kein gutes Verhältnis aufgrund von Erbstreitereien. Diese endeten wohl in einer bösen Schlammschlacht vor Gericht. Die Unterlagen sagen aus, dass Antonia und ihr Ehemann anschließend in der Gegend äußerst unbeliebt waren und nach Kitzbühel umgezogen sind. Mein Großvater war laut den Unterlagen Hauptgesellschafter der Hotelgesellschaft bis zum endgültigen Verkauf seiner Anteile 1950. Interessant ist auch, dass nach dem Tode von Jakob Kemmler der Reichskommissar für die Behandlung feindlichen Vermögens das Erbe an sich ziehen wollte. Die beiden Damen Marberger und Holzknecht-Kemmler waren lediglich die Nichten der zweiten Ehefrau, Frau Aloisia Schöpf, von Jakob Kemmler. Laut Unterlagen lebten sie als Angestellte im Haushalt und wurden behandelt wie eigene Kinder. Nach dem Tode Aloisias 1938 wurden sie letztendlich von Jakob adoptiert. Die Ehe mit Luise Schmale, die er am 14.03.1902 in London ehelichte und aus der mein Großvater entstammt, wurde 1928 in Berlin geschieden. Diese Ehe muss ihm entfallen sein, als er Aloisia 1912 in New York geheiratet hat. Nach der Scheidung 1928 hat er Aloisia dann rechtskräftig 1929 geheiratet. Laut den Unterlagen war er von 1924 bis 1936 US-Staatsbürger und dann bis zu seinem Tode staatenlos. Dies muss wohl den Wirren des Krieges zu verdanken sein. Wie dem auch sei, wenn ich wieder mal in der Gegend bin, werde ich mich mal auf die Suche in Umhausen machen. Vielleicht existiert noch das Haus oder ein Grabstein. Die Geschichte mit dem Friseursalon ist interessant. Leider konnte ich dazu keine von den angesprochenen Zeitungsartikeln finden. Um sich mal ein Bild von Jakob Kemmler zu machen, schicke ich Ihnen mal das Bild aus seinem US-Pass im Anhang.„

Ich habe aufgrund dieser Informationen dann noch die folgende Traueranzeige für Luise Kemmler gefunden (Innsbrucker Nachrichten vom 16. August 1938):


Wie bereits erwähnt, stirbt Jakob Kemmler selbst 4 Jahre später und wird in Ötztal beigesetzt:

Dadurch ändert sich auch die Geschäftsführung in der Hotelgesellschaft m.b.H. (Innsbrucker Nachrichten vom 23. Juli 1943):

- Bekanntester Besitzer nach dem 2. Weltkrieg war Otto Plattner, der das Hotel von August 1989 bis 2007 sehr erfolgreich führte.
Mit dem abschließenden Bilder-Streifzug möchte ich das Hotel Europa noch einmal hochleben lassen:

Das Hotel in festlicher Beleuchtung – vermutlich vor 1918.

Das stattliche Gebäude wohl in den späten 1920er Jahren. Die spätere durchgängige Balkonreihe gab es noch nicht, markant war auf alle Fälle die große Reklametafel an der Hausecke, welche so montiert schon von weitem aus beiden Richtungen erkennbar war.

Diese Farbaufnahme darf einfach nicht fehlen. Meiner Meinung nach macht es die Atmosphäre damit erst richtig lebendig.
Folgende Bilder aus einem Hotelprospekt der 1940er Jahre zeigen die Mondänität und das besondere Flair dieses Hotels:


Die Aufnahme dürfte wohl kurz nach dem Wiederaufbau entstanden sein. „Dicke“ Autos beherrschen die Parkplätze der Hotelgäste und – die Zimmer im 2. Stock haben alle einen Balkon erhalten. Ebenso fällt der jetzt zusätzliche 5. Stock auf.
Noch einmal Dirk Weinsheimer, der mir freundlicherweise die folgenden Abbildungen aus einem Hotelprospekt der 1950er Jahre überlassen hat:





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2023: Museumstraße 1: Am Montag, 15. Jänner beginnt der Teilabbruch des Gebäudes, älteren Innsbrucker Bevölkerung noch als „Unterberger-Haus“ bekannt. Hauptsächlich aus heizungstechnischen Gründen, einer fehlenden Barrierefreiheit und eines zu kleinen Liftschachtes.
Die Geschichte dieses Hauses bzw. deren Vorgängerbauten ist nicht uninteressant: Bis fast zur Mitte des 19. Jahrhunderts stand an dieser Stelle ein quergestelltes Gebäude, das sog. Tschurtschenthalerhaus (am Franziskanergraben, Hausnummer 250). Da dieses Haus der gerade neu angelegten Museumstraße im Weg stand (Einengung der dortigen Straßenbreite, keine direkte Verbindung aus der Altstadt in die Museumstraße, stattdessen musste ein Umweg in Kauf genommen werden), wurde es kurzerhand im Mai 1846 abgerissen. Am 2.11.1847 wurde die Kunsthandlung Ernst Unterberger im neu erbauten Haus Museumstraße 1 eröffnet.

Werbe-Ansichtskarte der Kunsthandlung Unterberger (Sammlung Michael Svehla)

Beim ersten Bombenangriff am 15.12.1943 erhielt das Gebäude einen Totaltreffer…
… und wurde als eines der letzten Bombenruinen erst um 1960 neu aufgebaut. Auf dieser Aufnahme aus dem Jahr 1960 ist links im Hintergrund deutlich die notdürftig instandgesetzte Ruine zu sehen.
Ein Blick auf das Unterberger-Haus im Jahr 2016.
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1.
1882: Eröffnung der Wasch- und Badeanstalt in der Salurner Straße.
1904: Zusammenschluß von Innsbruck mit den beiden Dörfern Wilten und Pradl. Aus diesem Grund wird zwei Jahre später der Vereinigungsbrunnen am Bahnhofsplatz errichtet (ungefähr an der heutigen Verlängerung der Salurner Straße zum Südtiroler Platz hin).
3.
1893: Beschluss des Gemeinderates: Aufstellung des Leopoldbrunnens vor den Stadtsälen.
12.
2023: Eröffnung des Lokales „Mariatheresia“ in der Maria Theresien-Straße 51-53. Dieser Standort trägt – wie so viele andere auch – ein klein wenig zur Innsbrucker Stadtgeschichte bei: Die ersten Häuser werden nachweislich bereits um 1610 erwähnt (siehe Fischnaler-Chronik, Band IV, S. 72). 200 Jahre später sind sie im Besitz der Familie Riccabona, weswegen sie auch bei so manchen älteren InnsbruckerInnen als „Riccabona-Häuser“ bekannt sind.

Immer wieder wird in alten Inseraten Bezug genommen auf das „Riccabona-Haus“ (hier: Maria Theresien-Straße 51); Innsbrucker Nachrichten vom 3.8.1876.
Gleich beim ersten Bombenangriff am 15.12.1943 wurden die Häuser Nr. 51 und Nr. 53 schwer getroffen und am 19.12.1943 Nr. 53 total zerstört. Mit dem Wiederaufbau, der um 1957 abgeschlossen war, verschmolzen beide Gebäude zu einem einzigen. Um ein weiteres Stockwerk aufgestockt, erinnern heute nur mehr die sieben Balkone an den ursprünglichen Bau, der seinerzeit einen einzelnen Balkon im 2. Stock aufwies.
Seit dieser Zeit war im Erdgeschoß auch das bekannte „Nonstop-Kino“ untergebracht. Als dieses in den frühen 1990er Jahren die Pforten schloss, wurde stattdessen das beliebte Wirtshaus und Szenelokal „Theresienbräu“ eröffnet. Leider war auch diese Geschichte nicht von allzu langer Dauer.
Im Februar 2020 mussten die damaligen Betreiber Insolvenz anmelden. Gründe waren u.a. 2018 der Tod des damaligen Alleingesellschafters und die Einführung des Rauchverbotes in der Gastronomie im Herbst 2019.
Dass es im Laufe der Geschichte immer wieder einmal zu Besitzerwechseln der Räumlichkeiten kommen kann, zeigt die Anekdote rund um ein im Haus Nr. 51 untergebrachtes Sanitätsgeschäft:

Der Geschäftsinhaber Ernst Mayer veröffentlichte in der Ausgabe der Innsbrucker Nachrichten vom 6.11.1900 die Geschäftsübergabe an seinen langjährigen Mitarbeiter Josef Mattes.
Dieser wiederum verkaufte ein Vierteljahrhundert später das Geschäft an Theodor Senn:

Innsbrucker Nachrichten vom 18.6.1925, S.12
Nach den Bombenangriffen vom Dezember 1943 musste das Geschäft notgedrungen übersiedeln und fand im Jänner 1944 vis-a-vis in der Maria Theresien-Straße 42 eine Unterkunft. Sehr viel später ist das Unternehmen in die Andreas Hofer-Straße 39b übersiedelt. Im Jahr 2023 existiert auch dieses nicht mehr…
Das Kultlokal im Jahr 2016…

… und Bierdeckel mit den unverkennbaren Wort-/Bildmarken (Sammlung Michael Svehla).

Die untere Maria Theresien-Straße in den späten 1920er Jahren. Von der hier abgebildeten linken Häuserzeile existiert heute kein einziges Gebäude mehr im Originalzustand! Die betreffenden Hausnummern 51+53 befinden sich in der Mitte (mit den hellen Fensterläden).

Gleich beim ersten Bombenangriff am 15.12.1943 erhielt das Haus Nr. 53 einen Volltreffer! Unmittelbar links vom Bombeneinschlag ist der noch intakte Balkon im 2. Stock von HNr. 51 zu erkennen.

Eröffnung des Nonstop-Kinos am 8.11.1952 im wiederaufgebauten Haus Nr. 53.

Finden Sie die 3 „Fehler“?
(1. Links erkennt man noch den Schriftzug „Nonstop-Kino“ 2. Den O-Bus gibt es in Innsbruck schon lange nicht mehr 3. Die parkenden Autos in der Maria Theresien-Straße sind ebenso verschwunden. Aufnahme: Oktober 1996)
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22.
1889: Übersiedlung der Wagner´schen Buchdruckerei vom Stammhaus in der Pfarrgasse in das neue Gebäude in der Erlerstraße (nach dem 2. Weltkrieg übersiedelte die Druckerei ein weiteres Mal, nämlich an die Sill hinter dem ehemaligen Schlachthof).